Architektur

Die Paulus-Kirche Ocholt ist ein von außen unauffälliger Kirchenbau, aus ortsüblichen roten Backsteinen gefertigt. Innerhalb der Ortslage wird die Kirche nur durch den Glockenturm (Campanile) mit seiner dreifältigen Materialität (Backstein, Holz, Kupfer) und der eigenwilligen eiförmigen Turmhaube markiert. Bei genauerem Hinsehen fallen auch die großen in Sichtbeton gefassten Fenster und das unaufdringliche Dachkreuz auf, die den Kirchbau von den umgebenden Gebäuden unterscheiden.

Der rechteckige Innenraum der Saalkirche, der durch eine bewachsene Pergola vom Turm aus am Südostende erreicht wird, ist betont schlicht gehalten und findet in dem apsidenähnlich gestalteten, auf Nordosten zulaufenden und leicht erhöhten Chorraum sein Ziel.

 

Die Kirche ist als Teil eines Ensembles geplant, zu dem neben Glockenturm und Pergola auch das baulich verbundene alte Pfarrhaus gehören und das später durch das Martin-Luther-Haus als Gemeindezentrum ergänzt wurde.

 

Architekt der Pauluskirche ist Gerhard Langmaack (1898 - 1986), zusammen mit Otto Bartning einer der wichtigsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts.

Kennzeichnend für die Kirchenneubauten Langmaacks waren von Beginn seiner Tätigkeit an die eigenwillig gestalteten Campanilen(-badachungen) oder die ausladenden Dachreiter, verbunden mit klaren, überwiegend hellen Saalbauten.

 

Fielen seine früheren Bauten noch durch experimentelle Turmdächer auf (St. Jürgen, Hamburg 1938/39; Christuskirche Wolfsburg 1950/51; Paulus-Kirche Ocholt 1955/56; St. Nicolai am Klosterstern, Hamburg 1960/62), experimentierte Langmaack in seiner späteren Tätigkeit mit dem Aufbrechen der gerade rechteckigen Form in den weiterhin klar gegliederten Saalbauten. In Abgrenzung zu seiner Zeit finden sich kaum Zentralkirchen in seinem Oevre (Michaelskirche Hamburg-Bergedorf 1955).

Langmaack fühlte sich als Vertreter der Berneuchner Bewegung und Mitbegründer der Michaelsbruderschaft den Erfordernissen der Messfeier insoweit verpflichtet, dass ihm axiale Ausrichtung des Kirchenraums und klare Kommunikation des Rituals wichtiger waren, als der in ein Raumzentrum verschobene Altar der Zentralräume der 50er und 60er Jahre.

 

Die Pauluskirche vollendete Langmaack im 59.Lebensjahr. Er hatte zu dieser Zeit bereits einen Lehrauftrag am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg inne und arbeitete intensiv an Formen und Verkündigung christlicher Botschaft.

 

Mit der Pauluskirche gelang Langmaack ein Bau, der sich ganz der Funktion verpflichtet fühlt. Der Raum ist klar, einfach und ohne Ablenkungen, eine Empore und ein Kirchsaal markieren den Übergang zum angrenzenden Pfarrhaus, ohne den Innenraum in Verdacht zu stellen zum Mulifunktionsraum zu werden. Kirche bleibt bei Langmaack Kirche.

 

Rituale zum Altar gesprochen erfahren durch die Auswölbung der Nordostwand eine hörbare akustische Verstärkung. Auch hier verbinden sich Form und Funktion eindrucksvoll.